Pomme
Eine Festung kann Schutz bieten – und zugleich zum Gefängnis werden. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich Pomme auf ihrem fünften Album „la forteresse“. Die französische Singer-Songwriterin macht daraus eine musikalische Fabel über Herkunft, Verletzlichkeit und Befreiung und schlägt damit ein neues Kapitel ihrer Karriere auf. Mit 30 Jahren übernimmt Claire Pommet, wie Pomme mit bürgerlichem Namen heißt, für „la forteresse“ erstmals allein die kreative Kontrolle über ein Album. Ihre vorherigen Platten hatte sie gemeinsam mit Musikern und Produzenten wie Waxx, Albin de la Simone und Flavien Berger produziert. Für das neue Werk vertraute sie dagegen ganz auf ihre eigene Vision und die enge Verbindung zu ihrer Live-Band um Michelle Blades, Pauline Denize, Zoé Hochberg und Corentin Ollivier. Entstanden sind die Songs über mehrere Jahre und Kontinente hinweg: während Tourneen, einer Residency in der Villa Kujoyama in Kyoto, bei Sessions in Aaron Dessners Studio im US-Bundesstaat New York und im französischen Château de la Haute-Borde.
In vier Kapiteln führt „la forteresse“ von der Kindheit über Liebe und Trauma bis zum Durchbrechen der titelgebenden Mauern und schließlich in die Gegenwart.
Mittelalterliche Bildwelten, die Gemälde von Hieronymus Bosch und das Kino Hayao Miyazakis prägen dabei die Atmosphäre. Musikalisch reicht das Spektrum von reduziertem Folk und Piano über schwebende Synthesizer bis zu üppigen orchestralen Arrangements. Die Aufnahmen entstanden größtenteils gemeinsam und live im Raum – eine Herangehensweise, die der Platte trotz ihrer detailreichen Produktion eine besondere Unmittelbarkeit verleiht. Songs wie „ça fait dix ans“, „seule dans la foule“, „trou noir“ oder „trente“ verhandeln Erfahrungen aus der Musikindustrie, Einsamkeit, Erschöpfung und das Erwachsenwerden. So beginnt die Rüstung, die Pomme um ihre Erzählfigur gebaut hat, Stück für Stück aufzubrechen.
Gerade auf der Bühne dürfte diese Mischung aus Intimität und musikalischer Weite ihre besondere Wirkung entfalten. Pommes Musik lebt von den leisen Zwischentönen ebenso wie von Momenten, in denen sich ihre Arrangements plötzlich öffnen und größer werden. Dass „la forteresse“ gemeinsam mit den Musiker*innen ihrer Live-Band entwickelt und eingespielt wurde, verspricht dabei eine besondere Nähe zwischen Album und Konzert. Im April 2027 können Fans erleben, wie aus Pommes musikalischer Festung ein gemeinsamer Raum zwischen Bühne und Publikum wird.