Parlour Magic, Fee Aviv & Ghosts and Errors

Sonntag
So. 04. Oktober 2026
Einlass 19 h Beginn 19:30 h
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Allg.Allgemeiner VorverkaufsstartVVKVVK-Start abam 24.07., 10 Uhr

Hinter einer Wand aus analogen Synthesizern veröffentlicht der New Yorker Künstler Luc Bokor-Smith seit 2020 unter dem Namen PARLOUR MAGIC seine Musik. Bereits auf seinem vorherigen Album, das zwischen den Flux Studios in New York und dem legendären Berliner Funkhaus entstand, zeichnete sich eine deutliche Weiterentwicklung ab: Der Fokus verlagerte sich zunehmend von elektronischen Klanglandschaften hin zu einem organischeren Bandsound. Indie- und Post-Punk-Gitarren sowie markante Basslinien erweiterten die charakteristische Synthesizer-Ästhetik.

Mit dem aktuellen Album „The Embassy“ ist aus dem beeindruckenden Ein-Mann-Synthesizer-Orchester ein lebendiges, kreatives Kollektiv geworden. Musiker*innen wie Luca Chesney, Bailey Kislak, Florian Stepper und Fab DuPont brachten ihre Ideen und ihr musikalisches Gespür in den Entstehungsprozess ein. (…) Im Mittelpunkt steht weiterhin Bokor-Smiths faszinierende Stimme, eingebettet in eine sehnsuchtsvoll-nostalgische Synthesizer-Welt. Hinter diesem vertrauten Klangbild entfaltet sich jedoch eine Rockband voller Dynamik und Intensität. An die Stelle programmierter Drum Machines treten Live-Drums, die den bisher fast maschinenhaften Sound organischer, direkter und lebendiger wirken lassen.

Mit ihrer zweiten EP DECAY setzt FEE AVIV ihren künstlerischen Weg konsequent fort und öffnet ein neues Kapitel: mehr Gitarren, mehr Weite, mehr Mut zum Bruch mit konventionellen Songstrukturen. erscheint via My Favourite Chordsn eigenständiger Sound, der sich bewusst Zeit nimmt und sich klar vom Mainstream abgrenzt. Gemeinsam mit Max Rieger (u.a. Casper, Die Nerven, Jungstötter, Stella Sommer) und Lukas Korn (u. a. Mia Morgan, Drangsal, Lyschko, Nils Keppel) entwickelt sie eine vielschichtige Klangsprache, inspiriert von Swans, Anna Calvi, Chelsea Wolfe, Anna von Hausswolff und Godspeed You! Black Emperor. Die EP spannt einen emotionalen Bogen von monumentalen „Hallbrechern“ wie „Aus Liebe Sterben“ bis zu intimen, reduzierten Klavierstücken wie „Nothing“ – und macht Fee Avivs innere Gefühlswelt zwischen Verletzlichkeit und Radikalität hörbar.

2001 in Berlin geboren und im Theaterumfeld aufgewachsen, verbindet Fee Aviv ihre langjährige Erfahrung als Theatermusikerin mit zeitgenössischem Indie- und Experimental-Pop. Nach ihrer ersten EP „HER“, Film-Synchronisationen und Erfolgen in der Berliner Szene zeigt sie hier eine noch klarere, mutigere Handschrift. Diese zweite EP ist ein selbstbewusstes Statement: emotional, experimentell und kompromisslos ehrlich – für Playlists zwischen Indie, Alternative, Art-Pop und Dark Pop. DECAY erscheint via My Favourite Chords, wo sich Fee Aviv erneut neben Indie-Lieblingen wie Die Mausis (Drangsal & Stella Sommer), Mia Morgan, Absteige, Kerker oder Lyschko präsentiert.

„Teenage Prose“ von GHOSTS & ERRORS ist eine intensive, zum Innersten gerichtete Platte, deren fragile Indie Folk Klangwelt zwischen Americana Anklängen, Detailverliebtheit und emotionaler Schwere oszilliert. Leichtfüßig ist sie selten, ohne dabei in bloßen Schwermut zu kippen. Vielmehr entfaltet sich hier ein eigenwilliger Kosmos, der über Jahre gewachsen ist aus einer ursprünglich reduzierten, akustischen Idee von Florian Stepper (Kaufmann Frust, Die Acid Kids) hin zu einem kollaborativen Projekt mit insgesamt 16 beteiligten Musiker*innen.

Neben Florian Stepper, der das Projekt als zentrale Stimme, Songwriter und treibende Kraft prägt, sind auf „Teenage Prose“ zahlreiche Gäste und Kollaborationen zu hören. Dazu zählen unter anderem Polar Noir, Maarten Vos (Cello), Luca Chesney, Ricardo Domeneck (Vocals, Lyrics) sowie weitere Musiker*innen wie Sarah Sauter, Sandra Gern, Jan Breier, Kevin Kuhn, Philipp Koch und viele mehr.

Entsprechend weit spannt sich das klangliche Feld. Zerbrechlicher Anti Folk trifft auf drängenden, fast manischen Post Punk, bevor sich die Songs wieder in weit ausladende Pop oder Kammermusik Momente öffnen. Instrumente wie singende Säge, spanische Laute, Klarinette, Cello oder Vibraphon tauchen dabei nicht als Effekte auf, sondern als organische Bestandteile eines größeren erzählerischen Zusammenhangs. Die Platte lebt von ihren Brüchen und Perspektivwechseln. „Bluebird“ etwa setzt mit Klarinette und stoischem Beat eine schwebende, beinahe unwirkliche Stimmung frei, während „Out of Wine“ die Fragilität eines Lebens im Ungleichgewicht in kammermusikalischer Verdichtung auslotet. Zwischen Reduktion und Überwucherung entsteht ein Spannungsfeld, das sich nie vollständig auflöst, sondern stetig in Bewegung bleibt.

Auch in direkter Gegenüberstellung entfalten die Songs ihre Vielschichtigkeit. Während Stücke wie „Nothing“ mit minimalen Mitteln eine große cineastische Wirkung erzielen, verdichten andere Arrangements sich zu komplexen, fast orchestralen Gebilden, in denen sich Erinnerung, Gegenwart und Unsicherheit überlagern.

Live formiert sich GHOSTS & ERRORS als feste Band mit Florian Stepper, Bianca Steffen, Kevin Kuhn, Felix Nagel und Marco „Mini“ Mühlhans. Die Stücke werden dort neu interpretiert, direkter, roher und mit offenem Raum für Improvisation. Was „Teenage Prose“ dabei besonders macht, ist seine Resistenz gegen schnelle Effekte. Die Songs entziehen sich bewusst eindeutiger Lesbarkeit und gewinnen mit jeder Wiederholung an Tiefe. Ein Album, das nicht auf den ersten Eindruck zielt, sondern sich langsam in die Wahrnehmung einschreibt.

(Text: Nadine Schmidt (VISIONS, Ox, krachfink.de))

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