Kids with Buns
Als im Jahr 2019 beim belgischen Nachwuchswettbewerb ein Gitarrist krankheitsbedingt ausfiel, sprang Amber Piddington kurzerhand ein. Was als Notlösung begann, wurde zur Initialzündung für Kids With Buns – jenes Duo, das heute zu den spannendsten Indie-Stimmen Europas zählt. Marie Van Uytvanck und Amber Piddington tauften sich nach dem Song „Kids With Guns“ der Gorillaz und fanden in der Reduktion ihre Kraft: zwei Gitarren, eine ungewöhnlich tiefe Stimme, Texte, die nicht ausweichen.
Frühe Singles wie „Bad Grades“ und „1712“ machten rasch die Runde, der Sieg bei „De Nieuwe Lichting“ von Studio Brussel 2021 katapultierte sie ins Rampenlicht. „Bad Grades“ kletterte an die Spitze der Radiocharts und sammelte Millionen Streams. Doch Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Entscheidend ist, wie diese Lieder klingen: wie leise Geständnisse im Halbdunkeln eines Jugendzimmers und zugleich wie Hymnen für jene, die sich „out of place“ fühlen.
Mit dem Debütalbum „Out of Place“ verschob sich der Fokus. Wo früher Bedroom-Pop flüsterte, dröhnt nun Indie-Rock. Inspiriert von Nick Drake, Ben Howard und der kompromisslosen Offenheit von Girl in Red, wagen Kids With Buns den Schritt ins Lautere. Seit sie von einer festen Band begleitet werden, mit Stijn Konings am Bass und Dajo Vlaeminckx am Schlagzeug, haben ihre Songs auf der Bühne ein neues Gewicht bekommen. „Wir wollten mehr rocken“, sagt Amber. Und tatsächlich: Stücke wie „Nothing New“ oder „The Balance“ tragen eine Wucht, die live erst ihre volle Dringlichkeit entfaltet.
Wer eines ihrer Konzerte erlebt, spürt, dass es hier nicht um Pose geht. Es geht um Teenage-Angst, um queeres Aufwachsen in einer oft noch homophoben Umwelt, um das Gefühl, Erwartungen nicht zu genügen. Nach Shows erzählen junge Fans von Trost und Halt. Vielleicht liegt darin das Geheimnis dieses Duos: Sie romantisieren nichts. Sie sagen, dass das Erwachsenwerden manchmal schlicht weh tut und dass genau darin eine eigentümliche Schönheit liegt. Im Herbst 2026 kommen Kids With Buns nach Berlin. Eine gute Gelegenheit, sich von diesen „sad bangers“ live durchrütteln zu lassen.