Midrift
Es ist eine dieser Geschichten, die sich fast zu glatt anhören, um wahr zu sein: Ein Teenager sitzt in seinem Zimmer in San Francisco, schreibt Songs zwischen Laptop und zerwühltem Bett, lädt sie auf TikTok hoch und plötzlich hört die Welt zu. Gus Mehrkam, Frontmann von Midrift, hat genau das erlebt. Gemeinsam mit den Brüdern Kai und Manoa Neukermans gründete er 2022 die Band, die heute als eine der aufregendsten jungen Stimmen im Alternative Rock gilt.
Midrift stehen für eine Generation, die sich nicht mehr um klassische Karrierepfade schert. Keine jahrelangen Ochsentouren durch kleine Clubs, keine mühselig erspielte Fanbasis. Stattdessen: ein Song, ein Algorithmus, ein Momentum. Ihre selbstbetitelte Debüt-EP erschien noch im Gründungsjahr und traf einen Nerv. Innerhalb kürzester Zeit sammelte die Band ein Millionenpublikum auf Streamingplattformen. Der Sound, den sie dabei entwickeln, ist alles andere als beliebig. Shoegaze, dieses oft in sich gekehrte Genre, wird bei Midrift aufgebrochen. Die flirrenden Gitarrenflächen erinnern an Deftones oder The Smashing Pumpkins, doch darunter liegt eine Unruhe, gespeist aus Emo und Pop-Punk. Es ist Musik, die gleichzeitig verträumt und dringlich klingt, als würde sie sich selbst immer wieder nach vorne schieben wollen.
Dass Midrift mehr sind als ein viraler Zufallstreffer, zeigte sich spätestens 2023. Mit den EPs „Elysian“ und „Leave“ festigten sie ihren Ruf, während sie parallel dazu ihre ersten Touren spielten. Und hier beginnt ein Kapitel, das in Zeiten digitaler Karrieren fast schon altmodisch wirkt: die Bühne. Denn so sehr ihre Songs online entstanden sind, so sehr entfalten sie ihre eigentliche Kraft im Live-Moment. Die Konzerte sind laut, dicht, körperlich. Die Gitarren schichten sich zu Wänden, das Schlagzeug treibt unerbittlich nach vorn und im Publikum entsteht jene kollektive Energie, die sich nicht streamen lässt.
Ihre erste Headliner-Tour durch Kalifornien und Texas war ausverkauft, ebenso ihre Support-Shows für Bands wie Fiddlehead oder Momma. Es sind Abende, an denen man spürt, dass hier etwas im Entstehen ist. Eine Band, die sich gerade erst formiert und doch schon genau weiß, wohin sie will. Vielleicht liegt genau darin der Reiz von Midrift: In der Gleichzeitigkeit von jugendlicher Unmittelbarkeit und erstaunlicher Zielstrebigkeit. Sie klingen nicht wie eine nostalgische Rückschau auf vergangene Indie-Ären, sondern wie ein Update, das die Gegenwart ernst nimmt. Im Sommer 2026 werden Midrift für ein Konzert nach Berlin kommen.